Auf dem EuroVelo 10 die Ostsee entlang

Auf dem EuroVelo 10 die Ostsee entlang

15. September 2022 Stadtradeln 0
Wie kommt als Stadtradler einer Stadt im äußersten Nordwesten denn an die Ostsee? Ganz einfach Urlaub und natürlich mit dem Rad. Seit das Auto meiner Lebensgefährtin während des Studiums den Geist aufgab und meines kurz davor schweren Herzens verkauft wurde, haben wir das „Experiment“ gewagt auf einen eigenen PKW zu verzichten. In einer Stadt funktioniert das erstaunlich gut. Doch davon vielleicht an anderer Stelle mehr. Seit wir keine Autos mehr haben, fahren wir natürlich weiterhin in den Urlaub. Allerdings etwas anders als man es eigentlich gewohnt ist. Anfangs bei der Umrundung Ostfriesland an einem Wochenende war es auch für uns noch ungewohnt. Doch irgendwie machte es Spaß. Das Reisetempo war nicht zu schnell und nicht zu langsam. Außerdem war man irgendwie näher am Geschehen. Es hat uns am Ende so gefallen, dass unser Jahresurlaub immer eine Radreise ist. 
 
In diesem Jahr ist es sogar ein besonderer Traum, der in Erfüllung gehen darf. Wir durften um die Ostsee fahren – mit einem kleinen Abstecher zum Nordkap. Mittlerweile sind wir von Emden über Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen bis nach Gdansk (Danzig) in Polen geradelt und somit beginnt hier unsere Stadtradel-Woche. Auf dem EuroVelo 10 geht es von Gdansk bis nach ?winouj?cie (Swinemünde). Den ersten Stadtradeltag „verschenken“ wir, da wir keine Kilometer fahren, aber Gdansk wollen wir uns schon ansehen. Ich kann nur sagen, es lohnt sich! Wir genossen den Tag mit wunderschönen Ausblicken auf die Stadt, schlenderten durch Gassen und stiegen auf einen Kirchturm. Abends gingen wir mit einem anderen Radreisepärchen, das wir zuvor in Riga kennen lernten, essen. Am Folgetag, dem Montag ging es dann richtig los. Aus den geplanten 85 km wurden spontan 140 km. Warum? Die Zufälle einer Radreise. Bereits nach wenigen Kilometern lernten wir ein weiteres Radreisepärchen, Chrissi und Francesco, kennen. Wir verstanden uns so gut, dass wir den Tag gemeinsam fuhren. Dabei kamen wir so gut voran, dass wir den zunächst geplanten Campingplatz schnell hinter uns ließen. Zum Glück! Denn dieser und viele andere haben geschlossen. An der Ostsee ist bereits Nebensaison. Darum beschlossen wir kurzerhand einfach ein Zimmer in derselben Unterkunft, wie die Beiden, zu buchen. Da ich am nächsten Tag ohnehin Geburtstag hatte passte dies einfach perfekt. Im Dunkeln fuhren wir die letzten Kilometer auf so einigen Sand- und Schotterpisten. Sand… Das ist für den Ostseeküstenradweg zwischen Jastrz?bia Góra und Ustka leider typisch. So einige Kilometer mussten wir absteigen und schieben, da unsere Drahtesel unter der schweren Last knöcheltief versanken. Der Abend endete jedoch glücklich mit einer Pizza und ich konnte mit netten Menschen auf den Geburtstag Anstoßen, was will man mehr? 
 
Der Geburtstag selbst sollte dann eigentlich ein Strandtag werden. Nur wenige Kilometer radeln und dann den Geburtstag genießen. Naja fast… Hier kann der Euro Velo noch nachgebessert werden insgesamt an die 30 km loser Sandboden ist nun wirklich kein Europaradweg! Zu Allem Übel hätte uns beinahe noch ein Sandbuggy überfahren. Zum Glück konnte sich Kyra noch nach links und ich mich nach rechts retten. Ein paar besondere Menschen gibt es eben überall, auch mitten im Wald auf einem „Radweg“ in Polen. Durch den Sand kamen wir nicht ganz so weit wie geplant und stießen so jedoch auf eine wunderschöne kleine Unterkunft, da der Campingplatz definitiv außer realistischer Reichweite lag. Abends empfing uns die Inhaberin und schenkte uns begeistert von der Tour und dem Radreisen noch den Aufenthalt in der Sauna und Salzgrotte als Geburtstagsgeschenk. Überglücklich nahmen wir das Geschenk nach so einem Tag an und fielen nach unserem Lieblingsessen und der entspannenden Sauna glücklich ins Bett. Eine unserer großen Erkenntnisse auf dieser Radtour ist, dass der Austausch mit anderen Menschen, deren Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, neben der beeindruckenden Natur das ist, was für uns eine Radreise ausmacht. 
 
Wir haben uns fest vorgenommen mehr Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in unseren Alltag einzubauen und weiterzugeben, was wir so häufig erfahren durften. Da uns die Sauna in der Nähe von Ustka so gut gefiel, entschieden wir uns spontan für einen weiteren Pausetag. Wieder nur wenige Kilometer auf das Stadtradel-Konto, aber Balsam für die Seele. Dennoch fuhren wir mit dem Fahrrad kurz in die Stadt zur Promenade und einkaufen. Anschließend gingen wir erneut in die Sauna. Die beiden Radreisenden vom Vortag haben uns bereits berichtet, dass es nach Ustka von den Bodenverhältnissen besser werden soll. Das war untertrieben! Statt der Sandpisten wurde der Ostseeküstenradweg zu einem Paradies aus Asphalt. Kilometer führte uns der Radweg am Strand entlang, durch Wälder und über Felder. Die zahlreichen Blicke auf die Ostsee entschuldigten jeden bisherigen Kilometer auf Sand. Die ein oder andere Pause am Strand durfte da natürlich nicht fehlen. Glücklicherweise konnten wir unser Zelt am Abend sogar noch pünktlich aufbauen, bevor ein paar heftige Regenschauer sich über diesem ergossen. 
 
Am darauffolgenden Tag ging so weiter. Die Radwege an der touristisch erschlossenen Ostsee entlang waren wunderschön angelegt und wieder einmal hatten wir mit dem Wetter richtig Glück. Das Gewitter mit Regen setzte ein, als wir gerade auf der Fähre nach ?winouj?cie waren. Anschließend sahen wir die Blitze in der Ferne, doch der weitere angekündigte Regen blieb aus. Da wir noch Z?oty in der Tasche hatten, entschieden wir uns diese an der Strandpromenade loszuwerden. Am Abend suchten wir das Zeltrestaurant, welches wir vor 5 Jahren auf unserer ersten Tour am Ostseeküstenradweg, von Lübeck nach ?winouj?cie, besuchten. Leider oder zum Glück hat sich so vieles in der Stadt verändert. Die Strandpromenade wirkt modern und so ist unsere Zeltbude mit zahlreichen Schaschlik-Ständen einem Restaurant mit Livemusik gewichen. Das Schaschlik schmeckt jedoch immer noch ausgezeichnet. 
 
Die erste Woche Stadtradeln ist vorbei und wir fahren nach gut 7600 km über die Grenze und betreten nach gut 3 Monaten zum ersten Mal erneut Deutschland. Wir sind gesund und voller Eindrücke zurück! Doch so manche werden noch kommen, denn eine Radreise ist immer spannend.
 
Wer mehr über unsere Reise erfahren möchte, kann dies hier: www.drahteselzeit.de
 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.